Lauffeuer

 

Musterheft zur Ansicht

Das "Lauffeuer" verdankt seine Entstehung einer "Schnapsidee" im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte gerade Bei Karen und Steven Acuff in Schweden die Beraterausbildung und die "Deutsche Makrobiotische Kochschule" absolviert, und nach einigen Praktika in Schweden und Berlin fühlte ich mich bereit meine frisch erworbenen Kenntnisse weiterzugeben. Ich begann mich in der Makrobiotik zu engagieren und gründete mit Freunden den Hamburger Verein "Makrobiotik für alle e.V.". Wir organisierten Bildungsurlaube und Kochkurse, unterstützten Steven Acuff bei seinen Vorträgen in Hamburg, und ich nahm als Mitarbeiterin an vielen makrobiotischen Veranstaltungen teil.

Im Frühjahr 1994 ging das Gerücht, dass das makrobiotische Magazin "Das Große Leben" eingestellt werden sollte. Ich hörte davon, als ich nach einem Kochkurs mit den Teilnehmern im Hamburger "Meisenfrei" beisammen saß. Dort wurde die Idee geboren ein makrobiotisches Heft herauszugeben. Es sollte viele Rezepte, aber auch Artikel über allgemeine Gesundheitsthemen und Körpertherapien enthalten. Ich nahm die Herausforderung an.

Am 01. April 1994 war es geschafft: das erste Heft kam heraus.

 

Es war während meiner Mittagspausen auf dem Firmencomputer entstanden und - das muss ich heute zugeben - recht dilettantisch zusammen geschustert. Doch dank der liebevollen Unterstützung und dem Zuspruch meiner allerersten Leser lernte ich mit jedem neuen Heft dazu.

meine alte Schreibmaschine

Ich verfasste übrigens damals alle Texte auf meiner elektrischen Schreibmaschine (siehe links). Zum Glück haben sich die Zeiten geändert (siehe rechts).

Computer-Arbeitsplatz

Die Illustrationen brachte ich nachträglich von Hand an. Im April 1996 adoptierte ich überglücklich meinen ersten (gebrauchten und vorsintflutlichen) Computer. Der hatte eine ganz eigene Persönlichkeit: Er fraß Texte, formatierte sie unaufgefordert um oder löschte sie nach Belieben. Manchmal, wie um das Maß voll zu machen, ließ er sie später gnädig wieder auftauchen, nachdem das aktuelle Heft mit einer neu formulierten Version erschienen war. Irgendwann wurde der "alte Herr" - er war mit Sicherheit männlich - abgelöst, und sein Nachfolger erleichterte mir die Arbeit.

Mit Steven Acuff und Hartwig  bei nächtlicher Diskussion
Nächtliche Diskussion mit Steven und Hartwig.
Nach und nach wurde ich mutiger. Mit zunehmender - auch makrobiotischer - Erfahrung lernte ich in meinen Artikeln öffentlich zu meiner Meinung zu stehen, auch wenn ich nicht immer Lob, sondern auch Kritik und Angriffe aus etablierten makrobiotischen Kreisen erntete. Doch die nahm ich nicht persönlich. Innerhalb der Makrobiotik gibt es viele Animositäten, und nicht selten geriet man für die "falschen" Worte eines Freundes in "Sippenhaft". Ich beschloss mich möglichst herauszuhalten.

Das "Große Leben" wurde dann übrigens doch nicht eingestellt. Dank einer Umstrukturierung und organisatorischen wie finanziellen Veränderungen hat es bis zum heutigen Tage überlebt. Das freut mich sehr. Es gibt so wenige Publizierungen in dieser Richtung. Trotzdem bin ich froh, dass mich das Gerücht über die Einstellung damals erreichte, denn sonst wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen ein solches Heft zu produzieren und herauszugeben. Es kostete mich als blutige Anfängerin viel Mut und war eine große Herausforderung. Nicht nur das, es war auch ein Zeitfresser. Alle zwei Monate verbrachte ich fünf Tage von morgens bis abends am Computer, denn mit der Produktion und dem Versand stand ich meistens alleine da. Doch was für eine Freude, wenn wieder eine neue Ausgabe druckfrisch und versandfertig vor mir lag, und was für ein Stolz, wenn die ersten positiven Leserbriefe eingingen. Das Lob und der Dank meiner Leser war übrigens die einzige "Entlohnung", die ich für meine Arbeit erhielt. Ich finanzierte die Hefte und den Versand über die Abonnements und die Einnahmen aus meinem Verein "Makrobiotik für alle e.V.", und nach jeder neuen Veröffentlichung waren die Kassen völlig leer. Doch ein paar Monate später waren sie wie von Zauberhand wieder so weit gefüllt, dass ich ein weiteres Heft herausgeben konnte. Ich bin froh, dass ich die Herausforderung damals angenommen habe und nicht bei den ersten Schwierigkeiten abgesprungen bin.


Das bin ich heute ...

20 Hefte sind seitdem erschienen. Wenn ich die einzelnen Ausgaben durchblättere, stoße ich überall auf meine eigene Geschichte und Entwicklung. Ich lese das Neueste aus Sommerfeld, wo ich einige Jahre lebte, finde Meldungen über das allerletzte von Karen Acuff veranstaltete Sommerlager auf der Burg Ludwigstein und die Gründung der "Deutschen Gesellschaft für Makrobiotik", in deren Vorstand ich gewählt wurde. In einem anderen Artikel lese ich über meine Berufung in den Vorstand des Vereins "Makrobiotik in Berlin" und erinnere mich an meine Arbeit dort.

Lang, lang ist's her
... und damals, vor 14 Jahren

Burg Ludwigstein - wider den tierischen Ernst...
Burg Ludwigstein -  02.00 Uhr morgens...
Karen Acuff auf Burg Ludwigstein

Büro der Burg Ludwigstein: Nächtliche Vorbereitung der Satzung zur Gründung der DGM (Deutsche Gesellschaft für Makrobiotik)

 

Karen Acuff im Burghof mit Teilnehmern

In einigen der letzten Hefte finde ich Artikel über die verschiedenen Treffen der IMA (International Macrobiotic Association) in der Schweiz und in Belgien. Lang ist's her - die IMA wurde ein Jahr nach diesem Treffen in Berlin zu Grabe getragen.

IMI Kiental
IMI Kiental

Und dann stoße ich auf einen Artikel über das IMI Kiental, wo ich viele Jahre lang als Übersetzerin tätig war, aber auch als Studentin viel gelernt habe und als Thaimassage-Lehrerin wertvolle Erfahrungen machen durfte. Nostalgische Gefühle steigen in mir auf, denn ich habe über die Jahre viel Zeit im IMI Kiental verbracht. Ich sehe es vor mir und erinnere mich an die vielen Menschen - Lehrer und Studenten aus aller Welt, die ich dort kennen lernen durfte, und bin dankbar für all die Erfahrungen, die mir zuteil wurden.

Hier war ich ins kalte Wasser gesprungen, hatte mich zum erstenmal in meinem Leben als Simultandolmetscherin versucht. Meine Gefühle vor und nach dem Seminar sind noch heute lebendig: vorher die kalte Angst zu versagen und mich unsäglich zu blamieren, und nachher ein freudestrahlendes Himmelhochjauchzen. Es war übrigens das schwierigste Seminar, das ich je übersetzen musste: Viszerale Manipulation mit Michael Shea, voll von medizinischen Fachausdrücken. Damals stand ich mitten in meinem Heilpraktiker-Studium und hatte vieles noch nicht gelernt.

 

Übersetzungsvorbreitungen im IMI Kiental
Alessandra aus Italien und ich bereiten uns auf unser Übersetzungsthema vor

 

Seminarpause im IMI Kiental
Mit Studentinnen auf der Terasse des IMI
 

Das einzige Mal, bei dem ich ein ähnliches Kribbeln im Bauch hatte - jedoch aus anderen Gründen - waren die ersten Stunden des Wochenendes mit Michio Kushi in Berlin. Hier bestand die Herausforderung eher darin seinem japanisch überlagerten Englisch zu folgen.



Beim Weiterblättern in einem meiner letzten Hefte stoße ich auf makrobiotische Rezepte von Christa Töpfer, einer alten Freundin aus Kiental. Christa hat mir damals vor meinem allerersten Übersetzungsauftrag das Händchen gehalten, mich unterstützt und mir Mut gemacht. Über die Jahre trafen wir regelmäßig in immer neuen Seminaren aufeinander. Wir hatten viele gute Gespräche und - besonders abends beim "après-après" - viel Spaß miteinander. Christa kam vor einigen Jahren durch einen tragischen Autounfall ums Leben. Kurz vor ihrem Tod hatte sie mir die Rezepte für das Lauffeuer aus Italien zukommen lassen.

Christa Töpfer beim Tanzen
Christa Töpfer...
Christa Töpfer in typischer Pose
...in typischer Pose

So konzentriert wir während des Tages gemeinsam studierten, so ausgelassen ging es an den Abenden im Untergeschoss des IMI Kiental zu. Studenten, Übersetzer, Lehrer, Assistenten, Büro- und Küchenpersonal - oft tanzten wir alle bis in die frühen Morgenstunden. Erstaunlicherweise waren die meisten von uns morgens zum Kursbeginn wieder fit, egal wie lange oder wie kurz wir unsere Betten gesehen hatten. Offensichtlich brauchten wir diese Aktiviäten zum Ausgleich der Energien, die wir tagsüber durch die Therapieerfahrungen losgetreten hatten.

Assistenten...
Assistenten...

Studenten...
Studenten...

Lehrer...
Lehrer und...

Übersetzer...
Übersetzer...

...alle spielen verrückt!

An dieser Stelle beende ich meine kleine Nostalgie-Show quer durch die alten Lauffeuer-Ausgaben und meine damit untrennbar verbundenen Erinnerungen.

Nach Jahren der ehrenamtlichen Tätigkeit für all die Vereine und Organisationen hatte ich plötzlich das Bedürfnis mich einfach nur um mich selbst zu kümmern, zu reisen, zu studieren, zu arbeiten. Deshalb zog ich mich von den meisten ehrenamtlichen Tätigkeiten zurück und legte auch die Produktion des "Lauffeuer" auf Eis. Die einzige ehrenamtliche Aktivität neben der Arbeit für den Verein Makrobiotik für alle e.V. und "Lauffeuer", die ich beibehalten habe, ist meine Mitarbeit beim One World Camp, dem englischen Sommerlager im August. Dort unterrichte ich seit neun Jahren Thaimassage und Craniosacraltherapie, und jedes Jahr um Weihnachten herum, wenn die Einladung zur Teilnahme am nächsten Festival im Briefkasten liegt, freue ich mich auf diese eine Woche im Sommer, wenn wir alle gemeinsam das One World Camp gestalten. Und in diesem Jahr darf ich mich sogar zweimal freuen, denn es wird eine weitere Veranstaltung geben: Das Pfingst Festival in Galloway in Schottland!

Während der Jahre in Berlin habe ich mich intensiv mit Traditioneller Thaimassage und der Kombination dieser Heilkunst mit anderen Therapieformen beschäftigt. Ich bin nach Hamburg zurückgekehrt, war einige Zeit in der internationalen Luftfahrtbranche tätig und trage mich mit dem Gedanken meine HP-Praxis zu reaktivieren. Im Rahmen des Vereinsangebotes gebe ich Seminare, Beratungen und Kochkurse. Ich studiere an der Hamburger Akademie für Fernstudien professionelles Schreiben, baue an meiner Website und koche immer noch makrobiotisch.


Inzwischen ist endlich mein erstes Kochbuch erschienen - über thailändische Küche. Hier finden Sie ein Proberezept: Tom Ka Gung - Kokosnuss-Suppe mit Garnelen, die aber auch mit Tofu oder Fisch hervorragend schmeckt. Wenn Sie es sehr eilig haben, können Sie statt Reis auch einmal frisch gebackenes Sauerteigbrot dazu servieren.

Ein makrobiotisches Kochbuch ist in Arbeit, und mein Verlag hat weitere exotische Rezeptsammlungen vorbestellt.




Die neue Ausgabe von "Lauffeuer" ist gerade in Arbeit.

Themen: Das Wasser-Element - Nieren & Blase - Ernährung im Winter - Rezepe mit Wintergemüse- Kochen ist Magie - Krankheit ist heilbar - Seitan: Herstellung und Rezepte - Öle: Was wir über Speiseöle wissen sollten - Die reinigende Kraft des Sonnenblumenöls - Heilen mit Rizinusöl - Verstrickungen lösen: Familienaufstellung

Bei Interesse können sie es hier anfordern.

- Familienaufstellung

Details zum Abonnement bzw. zum Bezug von Einzelheften können Sie hier anfordern.

Eine Leseprobe finden sie hier:

Thema 1: "Vitamin B12 und die modernen Vegetarier" - Auszug aus dem Buch von Paul Pitchford "Healing with Whole Foods: Oriental Traditions and Modern Nutrition", erschienen bei North Atlantic Books, Berkely, Kalifornien
Übersetzung: Marion Menger
ISBN 1-55643-220-8 -
£ 26,95



Weitere Leseproben aus älteren Lauffeuer - Ausgaben:

Tempeh - Herstellung und Rezepte - von Barbara Kufeld

Das Holz-Element - Ernährung im Frühling - Frühjahrsputz - von Marion Menger

Wildgemüse
- Beschreibung und Rezepte - von Marion Menger

Hier noch ein Frühlingsthema aus DAO: Grün-Weiß-Fasten - Artikel von Marion Menger


Brennessel
Brennessel
Hirtentäschel
Hirten-
täschl
Huflattich
Huflattich
Löwenzahn
Löwenzahn
Spitzwegerich
Spitz-
wegerich

Vogelmiere
Vogelmiere

Klee
Klee

Schachtelhalm
Schachtel-
halm









Ein kurzer Erfahrungsbericht zu dem Rezept "Chicken Rice" in dem obigen Artikel über Vitamin B12: Vor einigen Jahren erkrankte ich auf der Insel Koh Chang an der kambodschanischen Grenze an einer der vielen Arten von Dengue-Fieber. Diese Krankheit kann nur mit Fiebersenkenden Maßnahmen, Muskelentkrampfenden Mitteln und Bettruhe behandelt werden, andere medizinische Möglichkeiten gibt es nicht. Nach sieben Tagen verschwand das Fieber, gerade noch rechtzeitig, um mein Thai-Visum nicht zu überziehen. Ich machte mich auf den Weg nach Penang in Malaysia, wo ich mir ein neues Visum für die nächsten drei Monate beschaffen wollte. Penang ist eine meiner Lieblinsinseln. Die Hauptstadt Georgetown, eine Mischung aus Chinatown, Little India und natürlich malaiischen Einflüssen, ist ein richtiges Ess-Paradies.

Normalerweise hätte ich mir im Swiss-Hotel ein Zimmer genommen, mein Gepäck im Schrank verstaut und mich dann auf dem Nachtmarkt mit einem stärkenden Abendessen versorgt. Dort werden an unzähligen Ess-Ständen die leckersten Gerichte angeboten, alle frisch zubereitet vor den Augen der Gäste. Doch ich fühlte mich so schwach, das ich meinen Rucksack nicht einmal auspackte, sondern mich sofort ins Bett legte. Auch am nächsten Morgen auf meinem ersten Rundgang durch die Stadt war ich noch vollkommen unsicher auf den Beinen, und nach einer Stunde blieb mir nichts anderes übrig als ins Hotel zurückzukehren und mich hinzulegen. Spätestens jetzt war mir klar, dass etwas geschehen musste. Offensichtlich hatte das Fieber alle meine Yang-Speicher vollständig geleert. So wie ich damals würde sich vermutlich eine Autobatterie fühlen, nachdem der Autobesitzer eine Nacht lang die Scheinwerfer angelassen hat - wenn sie denn etwas fühlen könnte. Vollständig leer und kraftlos.

Plötzlich erinnerte ich mich an meine Großmutter, deren Stärkungsrezept für jeden Rekonvaleszenten in der Familie eine große Schüssel Hühnerbrühe war. In Penang gibt es spezielle chinesische "Hainan Chicken Rice" Restaurants, die sich auf dieses eine Rezept spezialisiert haben: Hühnerbrühe und Hühnerbrust auf Reis, garniert mit Frühlingszwiebeln, einem Tamari-Dip und einem sweet & sour Dip. Ich quälte mich aus dem Bett und in eins dieser Spezialrestaurants, mit dunklen Augenringen und gelblich blass unter meiner Sonnenbräune.

Typisches Hainan Chicken Rice Restaurant
Typisches Hainan Chicken Rice Restaurant

Obwohl ich seit langem kein Fleisch mehr zu mir genommen hatte, empfand ich diese Mahlzeit als Hochgenuss. Die Hühnerbrühe verschwand so schnell in meinem Magen, ich konnte es selbst nicht fassen. Mit einem abschätzenden Blick stellte sich die alte Restaurantbesitzerin vor mir auf, ergriff dann meine Suppenschüssel, füllte sie erneut bis zum Rand und sagte in ihrem Pidgin-english:"You eat, is good, good for you. You need. Eat, eat." Dann lächelte sie mir zu und verschwand wieder hinter ihrem Tresen. Sie hatte Recht. Es war wirklich gut für mich. Bereits nach der ersten Portion fühlte ich mich kräftiger, ich hatte nicht mehr das Gefühl jeden Moment umzufallen. Nachdem ich die zweite Schüssel geleert und den Reis mit dem Hühnerfleisch gegessen hatte, spürte ich, wie ich von Minute zu Minute an Energie gewann. Ich verließ das Restaurant und verschrieb mir einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Danach hielt mich nichts mehr in meinem Hotelzimmer, und die Schwäche war überwunden. Damals wurde mir klar, dass meine Intuition funktioniert, und dass ich ihr vertrauen kann. Seitdem höre ich sehr genau hin, was sie mir sagt. Und wenn es etwas ist, das nicht unbedingt dem entspricht, was die Standard Diät sagt, weiß ich, dass ich gerade eine individuelle Modifizierung brauche...

Hainan Chicken Rice: Huhn auf Reis mit Rohkostbeilage und Dips, dazu eine Schüssel kräftige Hühnerbrühe und Frühlingszwiebeln.


Hainan Chicken Rice - Variante mit krosser Haut


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Email: marion_menger@sturmruhe.de